Schallalalalah!

Ich bin ja nicht nur Stadtradelstar von Verden sondern auch noch Ausländer. Also, so richtig. Das macht aber meisten nichts, weil ich anpassungsfähig und äußerlich unauffällig bin. Manchmal ist mir Deutschland aber fremd – wohl, weil ich nicht jedes der autochthonen Rituale verstehe.

Da wo ich (wie der Ostwestfale sagt) “wechkomme” ist Christi Himmelfahrt einfach nur Christi Himmelfahrt. Manche gehen in die Kirche, die meisten eher nicht. Man hat frei, dann einen “Fenstertag”, auch “Zwickltag” genannt, und dann noch Wochenende. Klingt friedlich und gut, ist es auch. In Verden und umzu ist das anders. Heute ist mir aufgefallen, dass hier sehr viele Menschen, die sonst niemals Fahrrad fahren, ausgerechnet an Christi Himmelfahrt mit dem Fahrrad unterwegs sind. Dabei hören sie laute und fröhliche Musik und/oder versuchen gemeinsam zu singen. Sie scheinen im Rest des Jahres genau so oft zu singen wie sie radfahren, nämlich nie, daher klingt der Gesang archaisch, wild und etwas unkoordiniert. Unkoordiniert ist auch das Stichwort fürs Fahrradfahren: die Schlangenlinie ist die Norm. Dass das Fahrrad einen praktischen Ständer hat, wissen die meisten nicht, es wird achtlos hingeworfen um sich anschließend kraftvoll in den Rabatten zu entleeren. Besonders rätselhaft bleibt das absichtliche zerschlagen von Glasflaschen auf der Straße. Das produzuiert haufenweise Scherben, die ja das Fahrradfahren nicht unbedingt sicherer machen.
Mir ist aufgefallen, dass an diesem musikalischen Fahrrad-Ritual vor allem Männer teilnehmen dürfen, nur wenige Frauen konnte ich dabei beobachten. Die wenigen Frauen singen aber auch gerne und haben dabei oft wenig an.

Jetzt habe ich mich informiert, ob das gemeinsame Grölen und unkoordinierte Fahrradfahren vielleicht was mit der ursprünglichen Idee von Christi Himmelfahrt zu tun hat. Antwort: Nein. Da scheint irgendwas anderes dahinter zu stecken. Bloß was?